Das Leben ohne Zeitverlust
Theaterstück mit Chansons
(mit Texten von Erich Kästner in der Vertonung von Edmund Nick)
Susanne Brantl (Gesang)
Gerold Huber (Flügel)
Regie: Eva Demmelhuber
"Wir traten vor das halbe Haus
und sahen nur: Der Krieg ist aus.
Und standen in den Scherben"
Mai 1945. München liegt in Schutt und Asche, zerstört von 60.000 Spreng- und 500.000 Brandbomben. Über 300.000 Menschen sind obdachlos, 22.346 kommen nicht wieder.
Der Wille zu leben
Zwei Menschen lernen sich unter erschwerten Bedingungen kennen, mit all dem Gräuel im Kopf und vor den Augen. Eine Frau vermisst ihren im Krieg verschollenen Mann, ist zerrissen zwischen Treue und dem Willen zu leben. Bei der Suche nach einer Unterkunft lernt sie einen Pianisten kennen - und beschließt, dass zu zweit das Überleben leichter ist. Es ist nicht unbedingt die große Liebe, aber es ist eine pragmatische Liaison auf Zeit, weil man leben will.
Nur mit den Chansons Edmund Nicks und einigen als Sprechtext verwendeten Liedzeilen erzählen Gerold Huber und Susanne Brantl diese Geschichte. Sie erzählen aber auch treffend über den in der Nachkriegszeit anbrechenden Kulturimperialismus, sie erzählen von Jammer und Elend und davon, wie man damals traurig war und voller neuer Energie, während man heute in Depression versinkt.
03. Mai 2006 | Süddeutsche Zeitung | Egbert Tholl
"Diese Zeit ist meine Zeit.
Ich taug so viel wie sie.
Ich bin der Leib. Sie ist das Kleid.
Diese Zeit ist meine Zeit.
So schön war's noch nie!"
Zwischen Freude und Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Zuversicht, Lust und Trauer stürzt man sich ins Leben - ohne Zeitverlust.
Susanne Brantl, Gerold Huber und die Regisseurin Eva Demmelhuber lassen in einem eigens konzipiertem Theaterstück die lange verschollenen Texte aus Kästners "Schaubuden"-Zeit wieder lebendig werden. "Die Schaubude" war das erste deutsche Nachkriegskabarett, eröffnet am 12. April 1946 in der Münchner Reitmorstrasse. Mit Ursula Herking, Karl Schönböck, Axel von Ambesser u. a.
Jahrzehntelang hat die Schriftstellerin Dagmar Nick, die Tochter des Komponisten, die Songs ihres Vaters verwahrt, die teilweise nur als Autographen erhalten sind. Sie überließ der Sängerin und Schauspielerin Susanne Brantl an die hundert Chansons, um diese lange vernachlässigten Werke neu zu interpretieren.
Edmund Nick (1891 - 1974), Komponist, Dirigent und Musikschriftsteller, vertonte bereits 1929 die ersten Chansons von Erich Kästner. Das ein Leben lang befreundete Künstlerteam übernahm mit Rudolf Schündler ab 1945 Aufbau und Leitung der Schaubude. 1947 wurde Edmund Nick Chefdirigent der Bayerischen Staatsoperette am Gärtnerplatz.
Pressestimmen
Kunststück
Münchens literarisches Kabarett der ersten Stunde - das war "Die Schaubude" in der Reitmorstraße, wo Erich Kästner und der Komponist Edmund Nick mit ungewöhnlich scharfzüngigen Nummern auftraten. Zum 60. Geburtstag dieses Etablissements hat Schriftstellerin Dagmar Nick, die Tochter des Komponisten der Diseuse Susanne Brantl den unbekannten Nachlass zur Neuinterpretation überlassen. Die Sängerin und Schauspielerin hat mit dem versierten Pianisten Gerold Huber unter Eva Demmelhubers Regie ein musikalisches Theaterstück aus vertonten Kästnergedichten zusammengestellt.
Ein Kunststück, denn nur über Chansons und Songs, manchmal verknüpft durch gesprochene Liedzeilen, wird die Geschichte vom "Leben ohne Zeitverlust" in der Black Box erzählt. Sie beginnt in einem zerbombten Keller, wo unter einer alten Pferdedecke ein Flügel auftaucht. Hunger, Verzweiflung, Hoffnung prägen die Texte, als "Nichts als Schutt" auf den Straßen lag, aber "Noch Sterne über den Ruinen" leuchteten. Susanne Brantl fasziniert durch staunenswerte Wandlungsfähigkeit nicht nur mit ihrer Stimme, die vom warmen Timbre blitzschnell in kämpferische Schärfe wechseln kann. Sie beherrscht sämtliche Facetten zwischen verlorenem Kellerkind, tüchtiger Trümmerfrau und frivolem Vamp.
05. Mai 2006 | tz | Barbara Welter
Uraufführung "Das Leben ohne Zeitverlust"
Trauer, Überlebenskampf und Aufbruchwille prägten die Jahre nach 1945, und selten ist diese schwankende Stimmungslage so eindringlich, so zupackend beschrieben worden.
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Die Schauspielerin Susanne Brantl haucht den Liedern bei der szenischen Uraufführung in der Black Box des Gasteigs so souverän und selbstverständlich neues Leben ein, als seien sie einst für sie persönlich geschrieben worden.
27./28./29. März 2005 | Süddeutsche Zeitung | Egbert Tholl
Begeisterte Prominenz:
Premiere des Stücks "Das Leben ohne Zeitverlust"
Eine eindrucksvolle Zeitreise erlebt das Publikum zurzeit in der Black Box im Gasteig. München vor 60 Jahren, eingepackt in Texte und Lieder von Erich Kästner und Edmund Nick.
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"Sensationell, was die da auf die Beine gestellt haben" jubelte etwa Rosenheim-Cop Joseph Hannesschläger.
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Großes Lob für die Darsteller gab es auch von einer Dame, die ganz besonders kritisch zugesehen hat. "Ich finde diese Vorstellung hinreißend", lobte Dagmar Nick. (...) Mit dem Ergebnis ist sie mehr als zufrieden: "Eva Demmelhuber ist auf Knien zu danken für diese Regie".
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Begeistert war auch Horst Janson, dem die Nachkriegszeit noch präsent ist. "Ich war zwar noch klein, aber ich kann mich schon noch gut erinnern wie das war".
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Ilse Neubauer: "Mir hat ganz besonders gut die sparsame Inszenierung gefallen".
05. Mai 2006 | Münchner Merkur | Florian Römer
Der Wille zu leben
Ein Kästner-Theaterabend von Susanne Brantl
(...)
Geboren aus dem Geist der Nachkriegszeit, und doch weit darüber hinaus, unterfüttert mit Tönen, die das Genre des Chansons weit hinter sich lassen. Ein Kunstliedabend, aber eben doch ein Stück. (...) Susanne Brantl spürte, ja sie wusste, dass Edmund Nicks Lieder nur dann ihre volle Güte entfalten könnten, wenn aus ihnen ein echtes Theaterstück würde.
Nun also, zum 80. Geburtstag von Dagmar Nick und zum 60. der Schaubude, wird das Stück Realität. Mit Eva Demmelhuber, Nockherberg-erfahrene (Singspiel-) Regisseurin, fand sich eine gleichermaßen Begeisterte. Demmelhuber enthebt die Geschichte einer zu engen Verknüpfung mit der Nachkriegszeit.
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Sie erzählen aber auch treffend über den in der Nachkriegszeit anbrechenden Kulturimperialismus, sie erzählen von Jammer und Elend und davon, wie man damals traurig war und voller neuer Energie, während man heute in Depression versinkt.
03. Mai 2006 | Süddeutsche Zeitung | Egbert Tholl
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