TroubleMenSzenischer KonzertabendKurt Weill Songs - mit den NO GOODS ! 2000 Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz Musikalische Leitung: Peter Pichler Schönste Schmerzen "Je ne t'aime pas!" Sie liebt ihn nicht mehr. Genauer: Sie will ihn nicht mehr lieben, den, der ihr imaginär gegenüber steht. Trotzig, aber auch hilflos beharrt sie auf der Formulierung. Sie spuckt sie tief aus ihrem Innersten heraus. Ein Postulat, das sie für sich selbst formuliert. Mag es auch ganz anders um sie stehen, es muss heraus, damit sie weiterleben kann. Dann: Koffer packen, weg. Diese Sie ist Susanne Brantl, das Lied ist von Kurt Weill und die No Goods spielen es. Die Frau ist viele Frauen, alle liebenden Frauen. Und doch immer die eine, die Berlin verlässt, in Paris Station macht, um endlich nach Amerika auszuwandern. Doch immer wieder holt sie die Heimat ein, das "Klopslied" etwa, das sie schon als Kind sang. Vor dem Vorhang im Künstlerhaus, vor Beginn des eigentlichen Konzerts. Ein Kinderreim mit vertracktem Arrangement, der sich durch den ganzen Abend zieht, in vielen Versionen und wechselnder Instrumentierung, mal schauerlich, mal sehnsuchtsvoll. Berlin, ick werde dir nich los. Da kann sie auch in Paris die roten Schuhe aus dem Koffer holen, neugierig darauf, was das Leben nun so zu bieten hat. Sie wird sie wieder einpacken, weil das Leben halt doch auch immer ein trauriges ist, voller Enttäuschungen und Schmerzen. Diese sind versteckt in Gitarre oder Akkordeon, wenn Peter Pichler, der Chef der No Goods, Susanne Brantl zart solo begleitet. Denn diese Songs, gerade die der französischen Zwischenzeit, sind fragile Gebilde, von Weill hingehaucht für Klavier und Singstimme, nun von den No Goods sehr ernst genommen. Was gar nicht heißt, dass dieser Abend nicht auch höchstgradig lustig ist. Er erzählt eine Lebensgeschichte in Liedern. Es könnte die von Kurt Weill und Lotte Lenya sein, muss aber nicht. Für die szenische Umsetzung hatten sie einen Regisseur, ein Umstand, der zu vielen bunten Lichtern, Seine-Imaginationen und Trockeneisnebel führt. Hört man jedoch auf die Texte, auf die Musik, vor allem auf die Stimme Susanne Brantls, dann wird klar, dass man dies alles kaum bräuchte. Denn Brantl ist eigentlich Schauspielerin, eine singende. Sie spielt die Stücke, verkörpert sie. Dazu kann sie dramatisch hoch schmettern, gefährlich tief deklamieren. Alles, was sie tut, dient dem Ausdruck, dem Song. Ob in einer Western-Persiflage, ob beim unendlich berührenden "Speak Low". Nein, zu leise sollen sie gar nicht sein, die sieben Musiker mit ihren intelligenten und mitunter feinsinnig-humorvollen Arrangements und die Sängerin. Dieser Weill-Abend schafft eine Interpretation des unbekannten Oevres dieses Komponisten, die sich vor gar keiner, weder der von Teresa Stratas oder Lotte Lenya, verstecken muss. Süddeutsche Zeitung |